Turning Tables
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Kapitel 3: Höhen und Tiefen

Mein Lieblingsmoment

Meine Zeit bei Turning Tables war toll und unvergesslich. Doch mein Lieblingsmoment war der Tag, an dem wir fünf verschiedene Kartoffelgerichte beigebracht bekommen haben.
Das Tolle beim Step-IN Programm ist, dass wir nicht nur theoretisches Fachwissen aus Gastronomie und Hotellerie lernen, sondern auch praktische Fähigkeiten vermittelt bekommen. Neben Serviettenformen falten, Tablette über Parcours balancieren und Tische für 6-Gänge-Menüs eindecken, haben wir natürlich auch viel gekocht. Manchmal haben Teilnehmer traditionelle Gerichte ihrer Heimat vorgestellt, aber oftmals haben wir auch deutsche Gerichte zubereitet – unter anderem eben fünf verschiedene Kartoffelgerichte: Ofenkartoffeln, Bratkartoffeln, Kartoffelsalat, Kartoffelpüree, und Bolani, ein afghanisches Gericht.

Ich bei meinem neuen Lieblingshobby: Kartoffeln zubereiten.

In Afghanistan essen wir viel Reis und um ehrlich zu sein, finden wir die Deutschen ein wenig Kartoffel-verrückt.
Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass selbst Kartoffel-Eis hier viele Anhänger finden würden. An diesem Tag haben wir so viele Kartoffeln gewaschen, geschält und zubereitet; ich wusste vor lauter Kartoffel nicht mehr wo oben und unten war. Sie waren einfach überall – und ich total durcheinander.

Trotzdem hatten wir unglaublich viel Spaß und ich habe viel mit meinen neuen Freunden gelacht.

Meine Herausforderungen

Doch nicht immer war alles so einfach. Die Zeit bei Turning Tables hat definitiv auch einige Herausforderungen mit sich gebracht.
Mein Vorstellungsgespräch für meine Ausbildung, war das Erste meines Lebens. Ich habe zwar ein paar Jahre als Bauarbeiter und Bäckeraushilfe in Afghanistan gearbeitet, doch das war anders.

Meine Freundin Zainab und ich, wie wir uns auf Vorstellungsgespräche vorbereiten.

Dieses Mal stand viel auf dem Spiel. Denn eine Ausbildung schützt den Auszubildenden (zumindest in der Theorie) vor der Abschiebung. Man bekommt eine Duldung, die einem den Aufenthalt für die Dauer der Ausbildung, sowie bei erfolgreichem Abschluss und Übernahme in den Betrieb für zwei weitere Jahre, genehmigt.
Ein Ausbildungsplatz kann also der entscheidende Grund sein, ob eine geflüchtete Person in Deutschland bleiben darf oder abgeschoben wird. Somit geht es im Vorstellungsgespräch nicht nur um eine Ausbildungsstelle, sondern um weitaus mehr – im Extremfall das Leben des Bewerbers, wenn er abgeschoben würde. Dementsprechend waren der Druck und die Nervosität vor meinem Vorstellungsgespräch bei Hilton Munich Airport besonders groß. Ich wusste nicht, was auf mich zukommt.

Doch dann habe ich mir bewusst gemacht, dass die Person, die mir gegenübersitzt und mich all diese Dinge fragt, auch nur ein Mensch ist. Genau wie ich. Nichts, wovor ich Angst haben muss; kein Monster oder Zombie. Also habe ich mich allein darauf konzentriert, wie sehr ich diese Ausbildung wirklich will. Und plötzlich war meine Angst wie weggeblasen.

Das Resultat? Seit knapp diesem Monat empfange ich lächelnd Gäste aus aller Herrenländer im Hilton Munich Airport
Jetzt weiß ich, dass ich viele Dinge schaffen kann, wenn ich mich nur traue, es zu versuchen.

Meine Ziele

Diese Ausbildung ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mein eigenes, ehrgeiziges Ziel verfolge und etwas für meinen individuellen Werdegang tue. Ich hoffe, dass sich mir dadurch weitere Türen zu neuen Möglichkeiten öffnen werden und ich mir mein eigenes Leben in Deutschland aufbauen kann. Niemals hätte ich gedacht, dass ich als unerfahrener Geflüchteter in einem so angesehenen und noblen Unternehmen enden würde.

Darum werde ich alles daransetzen, diese Ausbildung vollständig zu absolvieren und mir einen erfolgreichen Abschluss mit guten Noten zu erarbeiten.

So gut, dass ich mir irgendwann meine zwei anderen, verrückten Träume erfüllen kann:
Einmal alle Länder dieser Welt zu sehen und mit meinem eigenen Rolls Royce durch Kalifornien zu fahren.

Dank Turning Tables, kann ich mit einem breiten Lächeln in die Zukunft blicken.

Herzlichen Dank an unsere Sponsoren, die UNO-Flüchtlingshilfe, die PIMCO foundation und das Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm (MBQ) des Referats für Arbeit der Landeshauptstadt, die das Step-IN Programm ermöglicht haben.

turningtablesproject

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