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Kapitel 4: Mein neues Leben als Azubi

Berufsschule

Mittlerweile habe ich meine Ausbildung angefangen und zwei Wochen Berufsschule hinter mir, die gemischte Gefühle in mir ausgelöst haben.
Einerseits ist es toll, wieder in die Schule zu gehen.
In meiner Klasse sind 36 Schülerinnen und Schüler. Wobei es tatsächlich hauptsächlich Schülerinnen sind – ich bin einer der acht einzigen Jungs der Klasse! Die meisten sind ungefähr in meinem Alter, doch es gibt auch einige über 30 und andere, die gerade mal 15 Jahre alt sind.
Auch unsere Nationalitäten sind bunt gemischt. Neben vielen Deutschen habe ich auch Klassenkameraden mit türkischen, griechischen, rumänischen, russischen und finnischen Wurzeln.

 Selbst ein anderer Afghane ist dabei. Manchmal bringe ich ihm Lawashak mit, eine bekannte Süßigkeit aus meiner Heimat, die aus einer zähen Gummimasse und getrockneten Fruchtstückchen besteht. Der süß-saure Geschmack erinnert mich jedes Mal an schöne Momente meiner Kindheit. Wenn ich darauf herumkaue, ist selbst der anstrengendste Matheunterricht deutlich einfacher zu ertragen.

Im Step-IN Unterricht habe ich viel gelernt, was mir jetzt in der Berufsschule hilft

Auch wenn ich viel Spaß mit meinen Mitschülern habe, der Unterricht selbst ist oft wirklich schwer.
Einige Themen haben wir zum Glück schon im Step-IN Programm behandelt. Doch andere sind mir vollkommen fremd. So haben wir zum Beispiel über die chemische Zusammensetzung von Eiweißen gesprochen. Selbst viele Deutsche haben das nicht verstanden. Für mich ist das alles aber noch viel schwieriger. Als ich das erste Mal in unser Bio-Buch geschaut habe, habe ich nur Bahnhof verstanden. Noch nie in meinem Leben hatte ich mit chemischen Formeln zu tun. Die vielen Fachausdrücke und komplizierten Erklärungen dann auch noch auf Deutsch zu verstehen, ist wirklich nicht leicht!

Doch Gott sei Dank werde ich immer noch von Turning Tables unterstützt.

Teil des Step-IN Programms ist die wöchentliche Nachhilfe mit Frau Eichinger. Hier treffen wir uns mit allen ehemaligen Teilnehmern und besprechen Themen, die wir in der Berufsschule durchnehmen. Es hilft mir sehr, zu sehen, dass ich nicht der einzige bin, der Schwierigkeiten hat. Außerdem erklärt uns Frau Eichinger komplizierte Wörter und gibt uns Tipps, wie wir am besten lernen können. Dabei geht sie auf jeden einzelnen Teilnehmer ein, nimmt sich viel Zeit und unsere Probleme wirklich ernst.

Aber am aller schönsten ist, dass ich meine Freunde aus dem Step-IN Programm endlich wieder regelmäßig sehe. Durch den Beginn der Ausbildung hatten wir alle viel zu tun und haben uns selten gesehen. Ich bin froh, dass Turning Tables uns wieder zusammengebracht hat!

Ich und meine Freunde aus dem Step-IN Programm

Ausbildung

Nach einiger Zeit in Deutschland habe ich mitbekommen, dass hier ein großer Fachkräftemangel herrscht und die Gastronomie und viele andere Betriebe Arbeitskräfte und Auszubildende suchen.
Eigentlich wundert mich das, denn für die Arbeit in Küche, Restaurant und Hotel gibt es viele verschiedene Berufe und Karrieremöglichkeiten. Wer den Umgang mit Menschen, das Zubereiten und Kochen von Gerichten und das Arbeiten in einem internationalen Umfeld mag, kann einfach einen interessanten Beruf in der Gastronomie finden.

Mein Ausbildungsberuf ist der Hotelfachmann.

Am meisten begeistert mich daran, wie abwechslungsreich dieser Beruf ist. Es gibt so viele verschiedene Dinge zu tun und zu lernen, und man trifft jeden Tag auf neue Leute.

Oftmals aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern. Besonders am Flughafen, wo sich mein Hotel, das Hilton Munich Airport, befindet. Ich glaube, mir wird bei der Arbeit niemals langweilig werden.

Im Großen und Ganzen werde ich als Hotelfachmann später in fünf verschiedenen Bereichen arbeiten. Während der Ausbildung wechsle ich daher alle paar Monate die Abteilung, um jede Aufgabe zu erlernen.
Wenn ich an Leute denke, die in einem Hotel arbeiten, denke ich zuerst an die Personen, die die Gäste an der Rezeption empfangen, den Check-in durchführen, den Weg zum Zimmer erklären, über diverse Angebote informieren und Telefonate entgegennehmen.
Doch auch das Housekeeping gehört zum Alltag eines Hotelfachmanns. Saubere Zimmer sorgen für zufriedene Gäste. Darum werde ich mich auch um Arbeiten wie Betten beziehen, Badezimmerartikel auffüllen und Staub wischen, kümmern.
Viele Gäste wollen während ihres Aufenthalts im Hotel essen. Die meisten Hotels haben daher ihr eigenes Restaurant. Darum lernt ein Hotelfachmann auch diverse Küchen- und Restaurantarbeiten. In der Küche selbst unterstützt man die Köche bei der Zubereitung diverser Gerichte. Im Restaurant dann nimmt man die Bestellungen der Gäste entgegen, serviert, empfiehlt, versorgt und kassiert.
Ein weiterer Aufgabenbereich ist das Büro. Hier wird alles organisiert und verwaltet. Die Buchhaltung und das Personalwesen sind zwei wichtige Bereiche, in denen ich als Hotelfachmann arbeiten werde. Das ist völlig neu für mich, und ich bin sehr gespannt, wie es wohl sein wird.

Meine Ausbildung ist in Schule und Arbeit aufgeteilt.
In der Regel werde ich zwei Wochen lang die Schule besuchen und anschließend zwei Wochen lang arbeiten. So kann ich die gelernte Theorie auch direkt in die Praxis umsetzen.
Bis jetzt habe ich erst ein paar Tage gearbeitet, da meine Ausbildung mit Schulunterricht anfing. In diesen Tagen haben wir Azubis noch nicht „richtig gearbeitet“, sondern wurden hauptsächlich in unser Unternehmen eingeführt. Wir haben zum Beispiel eine Rally durch das Hilton Munich Airport und den Flughafen gemacht, um das Unternehmen und unser Arbeitsumfeld kennenzulernen. Wir hatten eine Menge Spaß und ich bin froh, dass meine Arbeitskollegen und Vorgesetzten alle so offen und freundlich sind.

Jetzt freue ich mich auf all die vielen Erfahrungen, die als Azubi noch vor mir liegen.

Keine Angst, darüber werde ich Euch natürlich auf dem Laufenden halten!
Also bleibt neugierig – ich verspreche Euch, dass Ihr nicht zum letzten Mal von mir gelesen habt…

Bis bald!

Herzlichen Dank an unsere Sponsoren, die UNO-Flüchtlingshilfe, die PIMCO foundation und das Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm (MBQ) des Referats für Arbeit der Landeshauptstadt, die das Step-IN Programm ermöglicht haben.

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