Turning Tables
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Kapitel 2: Mein Weg zum Ziel mit Turning Tables

Wie alles angefangen hat

Von Turning Tables habe ich damals durch meinen Betreuer erfahren. Auch wenn ich in Afghanistan vermutlich nie einen Beruf in der Gastronomie angestrebt hätte, so spielte ich in Deutschland schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken Koch zu werden. Ich koche gerne und viel, besonders traditionelle, afghanische Gerichte wie Biryani oder Bolani. Die Zubereitung hat mir meine Mutter schon als Kind beigebracht. Eine Zeit, an die ich mich gerne zurückerinnere.

Essen bietet mir die Möglichkeit, meine Heimatkultur mit meiner neuen Kultur zu verbinden und sie mit anderen Menschen zu teilen und zu genießen.

Daher war ich sofort begeistert, als mir mein Betreuer von Step-IN erzählte: einem Programm, das mich auf Berufe vorbereiten würde, in denen ich meiner Leidenschaft für Kochen und Essen tagtäglich nachgehen könnte.

Ahmad und ich, beim Vorbereiten von Eis-Tee

Da ich keine wirkliche Vorstellung von Deutschlands Gastronomie- und Gastgewerbe hatte, meldete ich mich ohne große Erwartungen an. Ich wollte einfach etwas Neues lernen, mich informieren und ausprobieren. Mein Plan war es, einfach mal hinzugehen, mein Bestes zu geben und zu schauen, was dabei rauskommt.

Das war die beste Entscheidung! In nicht einmal drei Monaten habe ich so viel gelernt, so viele Einblicke in die unterschiedlichsten gastronomischen Bereiche bekommen und so viele neue Freunde gefunden. Auch habe ich schnell gemerkt, dass es etwas gibt, was mich noch mehr interessiert als das Kochen: die Hotellerie!

Ich liebe es, mit Menschen in Kontakt zu sein und fühle mich im Service noch wohler als in der Küche. Vor meiner Zeit bei Turning Tables, wusste ich nicht einmal, dass eine Ausbildung zum Hotelfachmann existiert; in meinem Heimatland funktioniert das alles ganz anders. Doch jetzt kann ich es gar nicht abwarten, alles über diesen Beruf zu lernen.

Sei es als Azubi, junger Erwachsener oder Mitglied einer bunten Gesellschaft: Turning Tables hat mich in vielen Bereichen meines Lebens weitergebracht, mir einen Schubser in die richtige Richtung gegeben und mir so diese, meine Zukunft ermöglicht.

Im Sommer haben wir auch Unterricht im Freien gehabt – wie bei dieser Deutsch-Stunde.

Was ich bei Turning Tables gelernt habe

Angefangen hat das Step-IN Programm von Turning Tables im Juni 2018. Für Geflüchtete stellen nicht nur die Sprache, sondern auch kulturelle Unterschiede große Herausforderungen dar, die möglicherweise den Erfolg in der Berufsschule erschweren.

Darum hat uns Frau Herman beim Step-IN Programm acht Wochen lang sechs Tage die Woche unterrichtet, und fachspezifische Theorie sowie praktische Fähigkeiten beigebracht, die uns gut auf eine Ausbildung in der Gastronomie vorbereiten.
Frau Herman ist IHK-zertifizierte Ausbildungsprüferin für die Gastronomie. Sie weiß genau, wie Unterricht und Prüfungen in Gastronomieausbildungen aussehen und hat viel Erfahrung in diesen Bereichen. Darum orientiert sich ihr Lehrplan am echten Lehrplan der Berufsschulen. Viele Themen, die in den ersten Ausbildungsjahren vorkommen, haben wir bei Step-IN bereits kennengelernt. Darüber bin ich sehr froh, denn von einigen Dingen hatte ich zuvor noch nicht einmal gehört.

Ein Beispiel ist das Thema Umweltschutz. In Deutschland wird in der Gastronomie viel Wert auf Mülltrennung gelegt. In Afghanistan verschwendet kein Mensch einen Gedanken daran. Dort kommt alles in eine Tüte. Die schmeißt man dann zum Fenster raus, oder stellt sie bei seinem Nachbarn vor die Tür. Hätte ich das so in meiner ersten Prüfung geschrieben, hätte ich vermutlich keine so gute Note bekommen.

Doch Frau Herman hat uns viel über das Thema erzählt, die Folgen und Problematik erklärt und sichergestellt, dass wir es auch alle verstehen. So war es mit vielen weiteren, wichtigen Themen wie Hygienevorschriften, Arbeitssicherheit und dem Umgang mit Gästen.
Schon jetzt habe ich die Vorteile der Vorbereitung erlebt: Bei den Einführungstagen in meinem Unternehmen war ich der Einzige unter 16 Azubis, der wusste, was „Mise en place“ ist. Ich war sehr stolz, von Anfang an einen guten Eindruck machen zu können und beweisen zu können, wie ernst mir diese Ausbildung ist.

Turning Tables – mehr als nur ein Trainingsprogramm

Ich habe aber auch viel gelernt, das über Fachliches hinausgeht. Eine wichtige Einsicht, die ich im Programm bekommen habe war, dass jeder Mensch anders ist. Dass Herkunft, Alter und Religion keine Rolle spielen.

Als Geflüchteter fühlt man sich manchmal anders behandelt und wird dadurch vielleicht sogar zuweilen in eine bestimmte Schublade gesteckt. Ich habe leider auch erfahren, dass manche Leute Vorurteile oder kein Interesse haben, aber ich denke, das ist, weil sie mich nicht kennen und deshalb Bedenken haben. Trotzdem hat mich das manchmal ein wenig verängstigt und ich habe mich deshalb oft zurückgezogen.

Step-IN war das erste Mal, dass ich wieder regelmäßig in Kontakt mit anderen Leuten war – auch vielen Deutschen. Die Teilnehmer kamen aus den unterschiedlichsten Ländern: Syrien, Iran, Eritrea, Senegal, Afghanistan. Und obwohl wir alle unterschiedlich waren, unterschiedliche Hintergründe und Geschichten hatten, haben wir uns von Anfang an gut verstanden. Ich habe mich keine Minute alleine gefühlt.

Vor dem Kurs hatte ich ein ziemlich schlechtes Bild von Iranern. Ich dachte, dass alle so sind wie die, mit denen ich im Iran Probleme hatte. Doch bei Step-IN habe ich Nazy kennengelernt: Eine junge Iranerin, die mich versteht und respektiert und mittlerweile eine gute Freundin geworden ist.
Durch sie wurde mir klar, dass jeder Mensch für sich steht. Und so, wie nicht alle Flüchtlinge gleich sind, sind auch nicht alle Syrer, Iraner oder Deutschen gleich.

Jeder Mensch hat seine eigenen Eigenschaften. Und das ist auch gut so. Denn so können wir alle zu einer bunteren und stärkeren Gesellschaft beitragen.

Ich und meine neuen Freunde, die ich bei Step-IN kennengelernt habe

Herzlichen Dank an unsere Sponsoren, die UNO-Flüchtlingshilfe, die PIMCO foundation und das Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm (MBQ) des Referats für Arbeit der Landeshauptstadt, die das Step-IN Programm ermöglicht haben.

turningtablesproject

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