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Kapitel 4: Mein neues Leben als Azubi

Berufsschule

Endlich hat meine Ausbildung angefangen. Die Genehmigungen zu bekommen war ein langer, aufwendiger und zermürbender Weg. Oft war ich am Rande der Verzweiflung, kurz davor all meine Hoffnung zu verlieren.

Mehr als alles andere, bin ich froh, dass Käfer die ganze Zeit so geduldig und zuversichtlich hinter mir stand. Das Durchhalten hat sich gelohnt.

Bis jetzt hatte ich erst einige Wochen Unterricht in der Berufsschule. Einige Fächer gefallen mir gut, andere sind wirklich kompliziert. In Sozialkunde zum Beispiel, habe ich das Gefühl, gar nichts zu verstehen. Unser jetziges Thema ist Arbeitsrecht. Ich finde es gut, dass in Deutschland so viel klar geregelt ist und verstehe, dass es wichtig ist, sich mit diesem Thema auszukennen. Doch wieso die Deutschen es so lieben, unglaublich lange Wörter zu benutzen, das kann ich weniger verstehen.

Bei „Manteltarifvertragsregelung“ und „Datenschutzgrundverordnung“ fangen die Buchstaben vor meinen Augen an zu tanzen und mein Kopf fühlt sich an, als tobten tausend Bienen in ihm.

Der Deutschunterricht während Step-IN hat mich gut vorbereitet, aber ich finde Deutsch immer noch sehr kompliziert.

Da gefällt mir Mathe viel besser. Oder Fachtheorie. Dort lernen wir, wie man einen Tisch richtig eindeckt, welches Besteck man für welches Gericht benutzt und was der Unterschied zwischen französischem und amerikanischem Service ist. Das haben wir auch schon im Step-IN Programm gelernt. Mal nicht mit einem großen Fragezeichen im Gesicht in der Klasse zu sitzen, und auch mal mehr zu wissen als meine Mitschüler, motiviert mich sehr.

Ich finde es schön, wieder in die Schule zu gehen. Nur eine Sache stört mich.
Mein Klassenzimmer ist im fünften Stock und den Schlüssel für den Aufzug besitzen nur die Lehrer. Bis ich oben ankomme, bin ich jedes Mal schon völlig erschöpft – und das, bevor der Unterricht überhaupt beginnt!

Ausbildung

Meine Arbeitsgenehmigung kam genau rechtzeitig, denn an meinem zweiten Arbeitstag machten wir mit meinen Kollegen von Käfer und allen Azubis einen Ausflug zum Oktoberfest.
Käfer hat dort ein eigenes Zelt, in dem ich dann nächstes Jahr auch arbeiten werde. Alles ist sehr schön und nobel dort. Auch die Musik war schön, selbst wenn ich kein Wort verstanden habe.

Ich habe Hähnchen mit Kartoffelsalat gegessen, Lederhosen angehabt und mich sehr deutsch gefühlt.

Für Januar haben wir einen Besuch bei den Kollegen in Berlin geplant, im zweiten Jahr soll es für einige Tage nach Paris gehen. Ich bin schon jetzt unglaublich gespannt.

Meine Kollegen sind alle sehr nett, helfen mir gerne und erklären mir viel. Auch zweimal, oder fünfmal. So lange, bis ich es wirklich verstanden habe. Das ist gut, denn ich möchte alles richtig machen.
Bis jetzt habe ich an der Bar und im Service gearbeitet. Das klappt schon ziemlich gut und macht mir großen Spaß. Ich nehme die Bestellungen der Gäste auf, leite sie digital an die Küche weiter und serviere dann das Gewünschte. Anfangs war es ein wenig schwierig, mir die vielen Gerichte zu merken, die wir anbieten. Doch mittlerweile kenne ich die Karte gut und kann schnell reagieren. Allerdings bin ich froh, dass wir in der Berufsschule Englisch-Unterricht haben, denn zu Käfer kommen viele internationale Gäste, die ich manchmal nicht so gut verstehe.

Hier habe ich meine Restaurantfachmann-Fähigkeiten geübt: Beim Sommerfest in der Bayernkaserne.

Vor kurzem ist mir ein kleines Missgeschick auf der Arbeit passiert. In dem Moment, als ich ein Glas Bier vor einem Gast abstellen wollte, sprang er auf und stoß gegen mich. Das Glas fiel um und zerbrach. Der ganze Inhalt verteilte sich über Tisch, Boden und Gast. Mir war das Ganze unglaublich peinlich und tat mir schrecklich leid. Doch der Gast war äußerst freundlich und blieb gelassen. Auch meine Chefin sagte aufmunternd: „Keine Sorge Rustam, das kann schon mal passieren. Und außerdem bringen Scherben ja bekannterweise Glück.“
Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, in so einem tollen Umfeld zu arbeiten!

Als Restaurantfachmann ist man quasi der Vermittler zwischen Gast und Küche und vertritt gleichzeitig das Restaurant gegenüber dem Gast.

In der Ausbildung werde ich daher verschiedene Aufgabenfelder erlernen, die sich im Großen und Ganzen in fünf Bereiche einteilen lassen. In die ersten drei habe ich bereits einen Einblick bekommen.
Zum ersten ist da die Beratung bei der Menü- und Getränkeauswahl. Als Restaurantfachmann muss man wissen, was das Restaurant anbietet und sich mit den Angeboten auskennen. Man sollte die jeweiligen Zutaten kennen, da manche Leute aus gesundheitlichen, ethischen oder religiösen Gründen auf bestimmte Dinge verzichten. Ein guter Restaurantfachmann gibt darauf acht und berät den Gast dementsprechend.
Als zweites lernt man das fachgerechte Servieren. Es ist zum Beispiel wichtig, von rechts aufzudecken und von links abzuräumen. Doch man lernt auch bestimmte Methoden wie das Flambieren, Filetieren, oder Tranchieren. Und natürlich, wie man es schafft, ein volles Tablett durch ein volles Lokal sicher zum Gast zu manövrieren.
Auch das Decken von Tischen oder größeren Tafeln ist eine wichtige Aufgabe des Restaurantfachmanns. Servietten falten und Gläser polieren ist Teil davon.
Bankette und Empfänge zu organisieren ist ein weiterer Aufgabenbereich meiner Ausbildung. Da unser Restaurant immer gut besucht ist, bin ich sehr gespannt darauf.
Und dann gibt es noch die Abrechnungsarbeiten. Da wird sich zeigen, ob sich die viele Mathevorbereitung von Step-IN und der ganze Matheunterricht in der Berufsschule gelohnt hat.

Noch bin ich ganz am Anfang meiner Ausbildung und werde mit Sicherheit noch viel erleben!
Doch ich bin zuversichtlich, denn ich habe einen Beruf, der zu mir passt, sowie ein tolles Ausbildungsunternehmen gefunden.

In ein paar Wochen könnt ihr wieder von mir hören, denn ich werde euch auf dem Laufenden halten, wie es mir in meinem neuen Leben als Azubi ergeht!

Bis dann,
Euer Rustam

Ich bin gespannt darauf, euch bald mehr von meiner Ausbildung berichten zu können – bis dann!

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